Roman schreiben: Welche Software braucht man wirklich?
Für die ersten Seiten reicht fast jedes Textprogramm. Wann sich ein eigenes Schreibprogramm für Romane lohnt und welche Funktionen du wirklich brauchst, erzähle ich hier.

Bevor ich eine einzige Zeile Code für Faustica geschrieben habe, habe ich viel Zeit mit einer Frage verbracht, die du vielleicht kennst: Mit welchem Programm schreibe ich mein Buch? Oder: Wie fange ich überhaupt an?
Ich für meinen Teil habe einige Testversionen geladen (zumindest bei den Programmen, die eine hatten), Vergleiche gelesen und viel gegoogelt, um vielleicht „mein“ Programm zu entdecken. Ich war nur damit beschäftigt, YouTube-Tutorials und Anleitungen zu suchen und die jeweiligen Programme überhaupt erst zu verstehen. Meine Buchidee habe ich in dieser Zeit gar nicht weiterverfolgt, geschweige denn ein erstes Kapitel geschrieben.
Deshalb vorweg die ehrliche Antwort: Für den Anfang brauchst du fast nichts. Die einen schreiben in Notiz-Apps, viele in Microsoft Word oder einem einfachen Texteditor. Das reicht im Grunde vollkommen aus, und daran ist auch nichts verwerflich. Es gibt sicher (Hobby-)Autoren, die ganze Bücher in Word geschrieben haben. Ich muss jedoch gestehen: Ich kann damit nicht wirklich organisiert arbeiten. Vielleicht geht es dir ähnlich. Je größer dein Projekt wird, desto deutlicher merkst du, was dir fehlt. In diesem Artikel möchte ich dir zeigen, wo diese Grenze liegt und worauf es danach wirklich ankommt.
Für die ersten Seiten reicht fast alles
Eine Geschichte entsteht nicht im Programm, sondern in deinem Kopf. Für die ersten Kapitel genügt jede Textverarbeitung, ein Notizbuch oder sogar ein Zettel neben der Kaffeetasse. Wichtig ist, dass du anfängst.
Wenn du noch ganz am Anfang stehst, lautet mein Rat deshalb: Such nicht zu lange. Die Suche nach dem perfekten Werkzeug ist eine sehr bequeme Art, das Schreiben aufzuschieben. Ich spreche da aus Erfahrung.
Wann ein normales Textprogramm an seine Grenzen kommt
Irgendwann wächst die Geschichte. Aus drei Kapiteln werden zwanzig, aus zwei Figuren ein ganzes Dorf. Und dann passieren Dinge wie diese:
Eine Figur taucht nach fünf Kapiteln wieder auf, und plötzlich stellt sich die Frage: „Wen hat sie in Kapitel 4 in der Hafenkneipe noch mal getroffen?“ Du scrollst durch hundert Seiten und findest die Stelle nicht.
Du willst ein Kapitel nach vorn verschieben und kopierst seitenlange Abschnitte hin und her, in der Hoffnung, dass dabei nichts verloren geht.
Ein Nebenstrang ist dir irgendwo im Mittelteil abhandengekommen. Du merkst es erst beim Überarbeiten, wenn eine Figur einen Brief beantwortet, den sie seit Kapitel 7 nicht mehr in der Hand hatte.
Spätestens hier landen viele bei dem, was ich vor Faustica selbst hatte: eine Textverarbeitung für das Manuskript, eine Tabelle für die Figuren, ein Programm für Karteikarten, ein Ordner voller Notizen und Bilder. Alles irgendwie da, aber nichts an einem Ort. Ein Textprogramm kennt eben keine Figuren, keine Zeitleiste und keinen Plot. Es kennt nur Text.
Was ein Schreibprogramm für Romane wirklich können sollte
Wenn du an diesem Punkt bist, lohnt sich ein Programm, das für Bücher gemacht ist. Aus meiner Sicht kommt es dabei auf diese Dinge an.
Kapitel als Bausteine. Dein Manuskript sollte aus einzelnen Kapiteln bestehen, die du per Drag & Drop umsortieren kannst. Das klingt banal, verändert aber, wie du an Überarbeitungen herangehst.
Ein Nachschlagewerk für deine Welt. Figuren, Orte, Gegenstände, vielleicht auch Monster: Alles, was du über deine Geschichte weißt, sollte einen festen Platz haben, an dem du es in Sekunden findest.
Ein Überblick über die Handlung. Welcher Strang läuft in welchem Kapitel? Wann passiert was? Gerade bei mehreren Handlungssträngen brauchst du eine Ansicht, die dir das zeigt, ohne dass du das ganze Manuskript lesen musst.
Mindmaps und Notizen. Eine Geschichte verändert sich beim Schreiben. Oft kommen dir mitten im Kapitel bessere Ideen als die ursprüngliche. Dafür brauchst du einen Ort, an dem du sie sofort festhältst, damit sie nicht verloren gehen.
Sicherheit für deine Texte. Monate an Arbeit dürfen nicht an einer einzigen Datei hängen. Automatische Sicherungen und frühere Fassungen sind kein Luxus. Ideal ist, wenn du deine Texte im Notfall auch ohne das Programm öffnen kannst.
Ein Weg nach draußen. Irgendwann soll dein Text gelesen werden: von Testleser:innen, im Lektorat oder als E-Book. Ein gutes Programm lässt dich dein Manuskript ohne Umwege exportieren.
Kein Abo-Zwang und eine faire Testphase. Das sieht jeder anders, aber ich mag nicht für alles ein Abo abschließen. Und ein Programm, in dem ich viele Stunden verbringen werde, möchte ich vor dem Kauf ausgiebig testen können, um zu sehen, ob es zu mir passt.
Was du nicht brauchst
Genauso wichtig finde ich die Frage, was du nicht brauchst. Als ich mir verschiedene Programme angesehen habe, hat mich vor allem eines abgeschreckt: zu viel. Zu viele Menüs, zu viele Einstellungen, zu viele Möglichkeiten, das eigene Projekt kleinteilig zu verwalten, statt daran zu schreiben. Sicher gibt es viele Profis, die solche Tools voll ausschöpfen. Für mich war es aber zu viel. Ich möchte nicht erst einen Kurs belegen, wenn ich einfach schreiben, meine Figuren übersichtlich festhalten oder meine Geschichte plotten will.
Ein Programm wird nicht automatisch besser, nur weil es mehr kann. Erst recht nicht, wenn du viele seiner Funktionen nie brauchen wirst. Wenn du erst eine Anleitung lesen musst, bevor du dein erstes Kapitel anlegst, stimmt meiner Meinung nach etwas nicht.
Brauchst du ein Konto, eine Cloud oder eine KI, die Sätze für dich formuliert? Das musst du selbst entscheiden. Für mich war die Antwort klar: Meine Texte sollen auf meinem Gerät liegen, und schreiben will ich selbst. Das ist kein Urteil über andere Wege, aber eine Entscheidung, die du bewusst treffen solltest, bevor du dich für ein Programm entscheidest.
Wie ich das in Faustica gelöst habe
Weil ich nichts gefunden habe, das zu mir passt (und mir gefällt), habe ich Faustica gebaut, zunächst nur für mich. Nicht als Alleskönner, sondern als ruhige Autoren-Suite, in der alles Wichtige an einem Ort liegt.
Im Editor schreibst du Kapitel für Kapitel. In der Gliederung verschiebst du sie frei und ordnest sie in Kategorien. Wenn du Ruhe brauchst, blendet der Fokus-Modus alles aus außer deinem Text.

Das Kompendium ist der Platz für deine Welt: Figuren, Orte, Länder, Gegenstände und eigene Kategorien, etwa für Monster, jeweils mit Foto, Schlagwörtern und „Ideen“-Fragen, die dir helfen, eine Figur zu entwickeln. Durch den Beziehungsgraphen und die Erwähnungen im Text ist die Antwort auf spätere Fragen nur einen Klick entfernt.

Für die Handlung gibt es den Plot: ein Raster aus Handlungssträngen und Kapiteln mit Szenenkarten, auf Wunsch mit einer von vier Strukturvorlagen wie der Heldenreise. Eine Spannungskurve zeigt dir, wie deine Geschichte verläuft, und Faustica weist dich auf Stränge hin, die zu lange ruhen. In der Zeitleiste legst du parallele Handlungsstränge nebeneinander, mit freiem Text oder exaktem Datum.

Gesichert wird automatisch an einem Ort deiner Wahl. Manuelle Sicherungen kannst du zusätzlich mit einem Passwort verschlüsseln. Jede Sicherung enthält lesbare Word- und Markdown-Kopien deiner Manuskripte. Trotzdem ersetzt Faustica keine eigene Backup-Strategie: Wichtige Manuskripte gehören zusätzlich auf ein anderes Gerät, zum Beispiel eine externe Festplatte.
Und wenn dein Text fertig ist, exportierst du ihn als Word, PDF, E-Book oder Markdown, mit Vorlagen für Taschenbuch, Normseite und E-Book.
Faustica läuft auf Windows und macOS, komplett offline, ohne Konto, ohne Cloud und ohne KI. Es hat auch Grenzen: Es gibt keine App fürs Smartphone, keine Synchronisierung zwischen Geräten und keine Zusammenarbeit in Echtzeit. Wenn du das brauchst, ist Faustica nicht das richtige Programm für dich, und das ist völlig in Ordnung.
Mein Rat
Fang mit dem an, was du hast. Schreib die ersten Kapitel, ohne über Software nachzudenken. Wenn du merkst, dass du mehr Zeit mit Suchen verbringst als mit Schreiben, wenn sich Notizen, Tabellen und Dateien stapeln, dann ist der Moment für ein eigenes Schreibprogramm gekommen.
Achte dann weniger auf die Länge der Funktionsliste als darauf, wie es sich anfühlt. Ein gutes Werkzeug ist da, wenn du es brauchst, und stört sonst nicht.
Wenn du Faustica ausprobieren möchtest: Du kannst es 30 Tage kostenlos und mit vollem Funktionsumfang testen, ohne Zahlungsdaten. Danach kostet die Vollversion einmalig 59,99 €, ohne Abo. Alles Weitere findest du auf der Download-Seite.
Und falls du Fragen hast oder mir erzählen möchtest, woran du gerade schreibst: Ich lese jede Nachricht selbst.