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·6 Min. Lesezeit·Christian Böhm

Schreibprogramm ohne Cloud: Vor- und Nachteile

Faustica speichert alles lokal, ohne Konto und ohne Cloud. Warum ich mich bewusst dafür entschieden habe und welche Nachteile das ehrlicherweise mit sich bringt.

Faustica mit dem geöffneten Demo-Projekt „Das Vermächtnis der Klinge“ auf einem Laptop, ohne Internetverbindung

Stell dir vor, du sitzt im Zug. Die Szene, an der du seit Tagen knabberst, ist plötzlich ganz klar in deinem Kopf. Du klappst den Laptop auf, öffnest dein Schreibprogramm, und es passiert erst einmal: nichts. Anmelden. Verbindung wird hergestellt. Synchronisierung läuft. Und dann der nächste Tunnel.

Genau solche Momente waren ein Grund, warum Faustica keine Cloud hat. Es war eine der ersten Entscheidungen, die ich getroffen habe, noch bevor es Kompendium, Zeitleiste oder Plot gab. Aber ich will ehrlich sein: Diese Entscheidung hat nicht nur Vorteile. In diesem Artikel schauen wir uns beide Seiten an, damit du für dich entscheiden kannst, ob ein Schreibprogramm ohne Cloud zu dir passt.

Was „ohne Cloud“ eigentlich heißt

Bei vielen Programmen liegen deine Texte nicht nur auf deinem Gerät, sondern auch auf den Servern eines Anbieters. Dafür brauchst du meistens ein Konto, und im Hintergrund wird ständig abgeglichen, was du geschrieben hast.

Bei Faustica ist das anders. Deine Projekte liegen lokal auf deinem Computer, unter Windows oder macOS. Es gibt kein Konto, keine Anmeldung und keinen Server, an den dein Manuskript geschickt wird. Sogar die Synonyme kommen aus lokalen Wortlisten. Wenn du ein Wort markierst und nach Alternativen suchst, verlässt dein Text das Gerät nicht.

Das klingt erst einmal nach einem technischen Detail. Im Schreiballtag macht es aber einen spürbaren Unterschied, in beide Richtungen.

Die Vorteile: Deine Texte gehören dir

Niemand liest mit

Ein Roman ist etwas Persönliches. Gerade in der ersten Fassung steht da vieles, das noch niemand sehen soll: halbe Sätze, verworfene Ideen, eine Figur, die dir selbst noch peinlich ist. Wenn alles auf deinem Gerät bleibt, musst du dir keine Gedanken darüber machen, wer theoretisch Zugriff haben könnte oder was mit deinen Texten auf fremden Servern passiert.

Wer noch mehr Schutz möchte, kann Faustica beim Start mit einer PIN oder einem Passwort sperren und die Sicherungen mit AES-256 verschlüsseln.

Schreiben, wo du willst

Ohne Cloud brauchst du kein Internet. Faustica funktioniert im Zug, im Ferienhaus ohne WLAN, auf der Parkbank. Das Programm startet, dein Projekt ist da, du schreibst. Kein Warten auf eine Verbindung, kein Hinweis, dass etwas gerade nicht abgeglichen werden konnte.

Für mich gehört das zu dem, was ein ruhiges Schreibprogramm ausmacht: Es ist einfach da, wenn du es brauchst.

Kein Konto, keine Abhängigkeit

Wenn deine Texte an einen Dienst gebunden sind, bist du auch an diesen Dienst gebunden. Ändern sich die Bedingungen, die Preise oder gibt es den Dienst irgendwann nicht mehr, betrifft das direkt deine Arbeit.

Faustica braucht kein Konto, und du zahlst einmal statt jeden Monat. Deine Projekte liegen auf deinem Gerät, egal was passiert.

Keine verschlossenen Dateien

Unabhängigkeit heißt für mich auch: Du sollst jederzeit an deine Texte kommen, selbst ohne Faustica. Deshalb enthält jede Sicherung zusätzlich lesbare Word- und Markdown-Kopien deiner Manuskripte. Die kannst du mit fast jedem Programm öffnen. Und über den Export bekommst du dein Buch jederzeit als Word, PDF, E-Book oder Markdown heraus.

Die Nachteile: ehrlich gesagt

Faustica ist kein Alleskönner, und ein Programm ohne Cloud hat Grenzen. Die solltest du kennen, bevor du dich entscheidest.

Kein automatischer Abgleich zwischen Geräten

Wenn du abends am Laptop und tagsüber am Desktop-PC schreibst, merkst du es sofort: Faustica gleicht deine Projekte nicht automatisch ab. Ein Projekt wandert über eine Sicherung, die du auf dem anderen Gerät wiederherstellst. Das funktioniert, ist aber ein bewusster Schritt mehr. Wer ständig zwischen mehreren Geräten wechselt, empfindet das vielleicht als umständlich.

Für deine Sicherungen bist du selbst verantwortlich

Das ist der wichtigste Punkt. Bei einem Cloud-Dienst liegt automatisch eine Kopie woanders. Ohne Cloud liegt sie dort, wo du sie hinlegst.

Faustica hilft dir dabei: Es legt automatisch Sicherungen an einem Ort deiner Wahl an, und du kannst jederzeit manuell sichern. Außerdem speichert es bei der ersten Änderung des Tages automatisch eine Fassung, bis zu 30 davon kannst du wiederherstellen. Wenn du also aus Versehen ein Kapitel zerschießt, ist das kein Weltuntergang.

Trotzdem gilt: Faustica ersetzt keine eigene Backup-Strategie. Wenn die Festplatte deines Computers kaputtgeht und die Sicherungen auf derselben Festplatte liegen, sind beide weg. Deshalb gehören wichtige Manuskripte zusätzlich auf ein anderes Gerät, zum Beispiel eine externe Festplatte. Das kostet dich ein paar Minuten in der Woche und erspart dir im schlimmsten Fall sehr viel Kummer.

Keine Zusammenarbeit in Echtzeit

Ohne Server kann niemand gleichzeitig mit dir im selben Manuskript arbeiten. Wenn du gemeinsam mit jemandem an einem Buch schreibst, ist das eine echte Einschränkung.

Für Feedback gibt es in Faustica einen anderen Weg: das Lektorat. Du exportierst dein Manuskript als Word-Datei mit Änderungsverfolgung, schickst sie an deine Testleser:innen oder dein Lektorat und importierst die überarbeitete Fassung später wieder. In der geteilten Ansicht siehst du dann beide Versionen nebeneinander. Für die meisten Hobbyautor:innen reicht das völlig, für gemeinsames Schreiben aber nicht.

Kein Schreiben unterwegs auf dem Handy

Faustica gibt es für Windows und macOS, nicht für Smartphone oder Tablet. Die schnelle Idee in der Warteschlange landet also nicht direkt im Projekt. Ohne Cloud wäre ein Abgleich mit dem Handy ohnehin nicht möglich. Wer viel mobil schreibt, muss das einplanen.

Für wen sich ein Schreibprogramm ohne Cloud lohnt

Wenn ich alles zusammennehme, sehe ich es so: Ein Schreibprogramm ohne Cloud passt gut zu dir, wenn

  • du hauptsächlich an einem Computer schreibst,
  • dir wichtig ist, dass deine Texte bei dir bleiben,
  • du auch offline arbeiten möchtest,
  • du kein weiteres Konto und kein weiteres Abo willst,
  • und du bereit bist, dich ab und zu um eine Sicherung auf einem zweiten Gerät zu kümmern.

Weniger gut passt es, wenn du ständig zwischen mehreren Geräten wechselst, viel auf dem Handy schreibst oder gemeinsam mit anderen gleichzeitig an einem Text arbeitest.

Warum ich mich trotzdem dafür entschieden habe

Ursprünglich habe ich Faustica nur für mich selbst gebaut. Ich schreibe ausschließlich am Laptop, eine Cloud habe ich also schlicht nie gebraucht. Ich wollte ein Programm, das mich in Ruhe schreiben lässt. Eines, das nicht ständig etwas von mir will, keine Anmeldung, keine Synchronisierung, keine Benachrichtigung. Ein Programm wird nicht automatisch besser, nur weil es mehr kann.

Als ich mich später entschieden habe, Faustica zu veröffentlichen, habe ich natürlich noch einmal darüber nachgedacht. Eine Cloud wäre für manche schon ganz nett. Aber dafür hätte ich die grundlegende Architektur des Programms von Grund auf umbauen müssen. Und es gibt noch einen zweiten Grund, der mir mindestens genauso wichtig ist: Eine Cloud bedeutet, dass ich eine Infrastruktur betreibe, auf der die Manuskripte anderer Menschen liegen, und dass ich die Verantwortung dafür trage, wenn dort etwas verloren geht. Diese Verantwortung möchte ich als einzelner Entwickler nicht übernehmen. Dein Roman ist auf deinem eigenen Gerät und deiner eigenen Sicherung besser aufgehoben als auf einem Server, den ich nebenbei betreue.

Ganz ausgeschlossen ist ein Abgleich zwischen Geräten trotzdem nicht. Eventuell kommt später eine Synchronisierung über Dienste, die du vielleicht ohnehin schon nutzt: iCloud auf dem Mac und OneDrive unter Windows. Deine Daten lägen dann bei einem Anbieter deiner Wahl, nicht bei mir. Versprechen kann ich das noch nicht, aber es steht auf meiner Liste.

Die Nachteile, die ich oben beschrieben habe, sind real. Ich habe sie bewusst in Kauf genommen, weil ich glaube, dass viele Menschen, die gern schreiben, genau das suchen: einen ruhigen Ort für ihr Buch, der ihnen gehört. Keine KI. Keine Cloud. Kein Abo.

Ob das auch für dich der richtige Weg ist, findest du am besten selbst heraus. Du kannst Faustica 30 Tage lang mit vollem Funktionsumfang kostenlos testen, ohne Konto und ohne Zahlungsdaten. Danach kostet die Vollversion einmalig 59,99 €.

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Und wenn du Fragen oder Gedanken zu dem Thema hast: Schreib mir gern direkt aus der App oder an faustica@posteo.de. Ich lese jede Nachricht selbst.