Warum ich Faustica gebaut habe
Ich habe lange nach einem Schreibprogramm gesucht, das sich einfach richtig anfühlt und es (für mich) nicht gefunden. Also habe ich angefangen, selbst eines zu bauen. Ein Blick zurück auf den Anfang, auf bewusste Entscheidungen und darauf, warum Faustica heute so ist, wie es ist.

Bevor es Faustica gab, gab es vor allem eine lange Liste offener Programme: Textverarbeitung, Weltenbau-Tools, Karteikarten-Apps, Tabellen für Figuren und Orte, ein separates Programm für die Zeitleiste und irgendwo dazwischen noch ein paar lose Notizen.
Jedes dieser Werkzeuge konnte etwas gut. Manche sogar sehr gut. Trotzdem hatte ich immer das Gefühl, dass ich meine Geschichte auf mehrere Programme verteile, statt wirklich mit ihr zu arbeiten.
Irgendwann habe ich aufgehört, nach der richtigen Kombination zu suchen, und angefangen, sie selbst zu bauen.
Der Ausgangspunkt: möglichst wenig im Weg
Am Anfang stand dabei keine lange Feature-Liste. Eigentlich war es eher das Gegenteil. Ich wollte ein Schreibprogramm, das mich beim Schreiben möglichst wenig beschäftigt.
Kein Konto, das zuerst eingerichtet werden muss. Keine Cloud, die synchronisieren muss, dass ich an meinem eigenen Text arbeiten kann. Keine Funktionen, die ständig Aufmerksamkeit verlangen. Und auch keine künstliche Intelligenz, die ungefragt versucht, meine Geschichte weiterzuschreiben, umzubauen oder mir vorzuschlagen, wie ein Satz vermeintlich besser klingen könnte.
Ich wollte einen Editor, meine Geschichte und eine Struktur dahinter. Dazu Werkzeuge, die dann verfügbar sind, wenn ich sie brauche, aber nicht permanent versuchen, sich in den Vordergrund zu drängen.
Aus dieser Entscheidung sind erstaunlich viele Dinge entstanden, die Faustica bis heute prägen.
1. Beispiel: der Fokus-Modus
Beim Schreiben ist mir irgendwann aufgefallen, wie viel Oberfläche man eigentlich ständig vor sich hat, obwohl man sie in diesem Moment überhaupt nicht braucht.
Menüleisten, Seitenleisten, Werkzeugleisten, Formatierungsoptionen, Statistiken, Buttons und Informationen. Alles davon kann sinnvoll sein. Aber während ich versuche, einen Absatz zu schreiben, hilft mir davon erstaunlich wenig.
Der Fokus-Modus in Faustica macht deshalb etwas sehr Einfaches: Er verschwindet.
Übrig bleiben der Text, der Cursor und auf Wunsch ein eigenes Hintergrundbild. Alles andere ist weiterhin erreichbar, aber nicht ständig sichtbar. Für mich ist genau das ein gutes Beispiel dafür, was Faustica sein soll: Funktionen müssen nicht permanent präsent sein, nur weil sie existieren.
2. Beispiel: das Kompendium
Wer an einer etwas größeren Geschichte arbeitet, kennt vermutlich diesen Moment: Eine Figur taucht nach fünf Kapiteln wieder auf und plötzlich stellt sich die Frage, welche Augenfarbe sie eigentlich hatte. Oder wie der Wirt in der Stadt hieß, die irgendwann ganz am Anfang erwähnt wurde.
Je größer eine Geschichte wird, desto mehr wächst auch das Gedächtnis, das man für sie benötigt.
Deshalb wollte ich keine einfache Figurenliste, die irgendwo neben dem Manuskript existiert. Das Kompendium sollte Teil der Geschichte sein.
Figuren, Orte und andere Einträge lassen sich deshalb optional mit ihren Erwähnungen im Manuskript verbinden. Dadurch kann man nicht nur nachschlagen, wer oder was etwas ist, sondern auch sehen, an welchen Stellen ein Eintrag tatsächlich vorkommt (wenn ich es mir markiert habe).
Das klingt nach einer kleinen Funktion. Beim Schreiben längerer Geschichten kann genau so etwas aber den Unterschied zwischen „Wo hatte ich das noch mal geschrieben?“ und einem Klick ausmachen.
3. Beispiel: die Zeitleiste
Ähnlich entstand die Zeitleiste.
Sobald eine Geschichte mehrere Handlungsstränge, Rückblenden oder Ereignisse umfasst, reicht eine einfache Liste irgendwann nicht mehr aus. Man möchte wissen, was gleichzeitig passiert, welcher Handlungsstrang zuerst beginnt oder ob zwischen zwei Ereignissen tatsächlich genug Zeit vergangen ist.
Deshalb lassen sich Ereignisse in Faustica nicht nur chronologisch (exakt oder frei) festhalten, sondern auch unterschiedlichen Handlungssträngen zuordnen.
Auch hier war der Gedanke nicht, ein möglichst komplexes Planungssystem zu bauen. Die Zeitleiste soll beim Schreiben eine Frage beantworten können, ohne selbst zum nächsten Projekt zu werden.
4. Beispiel: die Sicherung
Eine andere Entscheidung hatte weniger mit Komfort und mehr mit Vertrauen zu tun.
Faustica speichert Projekte lokal. Es gibt bewusst keine Cloud-Synchronisation und keinen Server, auf dem das Manuskript liegt. Alles funktioniert vollständig offline.
Das bedeutet aber auch, dass Sicherungen umso wichtiger sind.
Deshalb erstellt Faustica automatisch bei der ersten Änderung eines Tages eine eigene Fassung des Projekts. Zusätzlich können jederzeit manuelle Backups angelegt und auf Wunsch verschlüsselt gespeichert werden.
Das ersetzt keine eigene Backup-Strategie. Wichtige Manuskripte gehören für mich immer zusätzlich an einen zweiten Ort (z.B. externe Festplatte). Aber es gibt ein Sicherheitsnetz, das im Hintergrund mitläuft, ohne dass man jeden Abend daran denken muss.
Was ich bewusst nicht bauen wollte
Während der Entwicklung ist mir noch etwas aufgefallen: Ein Programm wird nicht automatisch besser, nur weil es mehr kann.
Natürlich ist die Versuchung groß, immer noch eine weitere Funktion einzubauen. Gerade bei einer Autoren-Software könnte die Liste praktisch endlos werden.
Aber irgendwann wird aus einem Werkzeug, das beim Schreiben helfen soll, ein System, das erst gelernt, eingerichtet und gepflegt werden möchte.
Faustica soll deshalb keine professionelle Autoren-Suite ersetzen, die jede erdenkliche Konfiguration, jeden Spezialexport und jeden denkbaren Workflow abbildet. Dafür gibt es Programme, die seit vielen Jahren genau darauf spezialisiert sind.
Faustica verfolgt bewusst einen anderen Ansatz: Es soll genug können, damit eine Geschichte an einem Ort entstehen, wachsen und organisiert werden kann, ohne dass man zuerst lernen muss, wie man das Werkzeug bedient.
Diese Grenze ist nicht immer einfach zu ziehen. Und wahrscheinlich werde ich sie auch in Zukunft bei neuen Funktionen immer wieder neu ziehen müssen.
Irgendwann wurde aus dem eigenen Werkzeug ein echtes Programm
Was ursprünglich als Lösung für meine eigene Suche begann, wurde mit der Zeit deutlich größer.
Zur Textarbeit kamen Zeitleisten und Mindmaps, ein Beziehungs-Graph, verschiedene Notiz-Boards, Kommentare und Lektoratsfunktionen, Versionen und Sicherungen sowie Exporte nach Word, PDF, E-Book und Markdown.
Und irgendwann stellte sich die Frage, die bei einem persönlichen Projekt ziemlich entscheidend ist:
Baue ich das eigentlich nur noch für mich?
Die Antwort war irgendwann: nein.
Damit änderte sich auch meine Perspektive auf Faustica. Funktionen mussten verständlich sein, ohne dass ich danebenstehe und erkläre, wie ich sie gemeint habe. Abläufe mussten auch für Menschen funktionieren, die das Programm zum ersten Mal öffnen. Und aus vielen kleinen Entscheidungen wurde langsam ein zusammenhängendes Schreibprogramm.
Trotzdem versuche ich, den ursprünglichen Gedanken nicht aus den Augen zu verlieren.
Faustica ist bis heute ein persönliches Projekt
Faustica wird nicht von einem großen Softwareteam entwickelt. Hinter dem Programm steht kein Konzern und keine Abteilung mit Produktmanagement, Marketing und zwanzig Entwicklern.
Ich entwickle Faustica selbst.
Das bedeutet natürlich, dass nicht jede Idee sofort umgesetzt werden kann und dass Faustica nicht versucht, jedes Spezialwerkzeug zu ersetzen. Gleichzeitig bedeutet es aber auch, dass viele Entscheidungen sehr bewusst getroffen werden können.
Eine neue Funktion muss für mich nicht nur auf einer Feature-Liste gut aussehen. Sie muss zum Programm passen.
Hilft sie beim Schreiben? Macht sie einen bestehenden Ablauf einfacher? Oder erzeugt sie vor allem zusätzliche Oberfläche und neue Einstellungen?
Diese Fragen sind wahrscheinlich der beste Filter, den Faustica während seiner Entwicklung bekommen hat.
Was daraus bis jetzt geworden ist
Aus der ursprünglichen Suche nach einem ruhigen Schreibprogramm ist inzwischen deutlich mehr entstanden, als ich am Anfang geplant hatte.
Der Anspruch dahinter ist aber derselbe geblieben:
Faustica soll sich anfühlen, als wäre es für genau diesen einen Zweck gebaut, tolle Geschichten zu schreiben.
Nicht mehr Programme öffnen als nötig. Nicht erst das Werkzeug organisieren, bevor man die Geschichte organisieren kann. Und möglichst wenig zwischen der Idee im Kopf und dem nächsten Satz auf der Seite.
Faustica ist damit sicherlich nicht das richtige Schreibprogramm für jeden. Das soll es auch gar nicht sein.
Aber vielleicht ist es genau das richtige für Menschen, die beim Schreiben gerne viele Dinge an einem Ort und trotzdem ihre Ruhe haben möchten.
Wenn du herausfinden möchtest, ob das auch zu deiner Art zu schreiben passt, kannst du Faustica in Kürze selbst ausprobieren. Auf der Download-Seite findest du dann die aktuelle Version und kannst sie 30 Tage lang mit vollem Funktionsumfang testen.