Der Unterschied zwischen Lektorat und Korrektorat liegt in der Ebene, auf der gearbeitet wird. Ein Lektorat prüft, ob der Text als Ganzes funktioniert: Handlung, Figuren, Aufbau, Stil und Verständlichkeit. Ein Korrektorat prüft, ob der Text formal stimmt: Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung und Einheitlichkeit. Ein Lektorat kann ein Buch verändern, ein Korrektorat macht es fehlerfrei. Deshalb steht das Lektorat zeitlich vor dem Korrektorat, und das eine ersetzt das andere nicht.
Auf dieser Seite findest du, was zu beiden Leistungen gehört, welche Zwischenformen es gibt, wie Angebote meist berechnet werden und woran du erkennst, was dein Manuskript gerade braucht. Ein Vorher-nachher-Beispiel zeigt an derselben Passage, wie unterschiedlich beide arbeiten.
Lektorat: Arbeit am Inhalt und an der Sprache
Im Lektorat liest eine Fachperson dein Manuskript mit der Frage, ob es seine Wirkung erreicht. Die Lektorin oder der Lektor schreibt dabei in der Regel nicht für dich um, sondern macht Probleme sichtbar, begründet sie und schlägt Lösungen vor. Die Entscheidung bleibt bei dir.
Oft werden zwei Schwerpunkte unterschieden, die je nach Anbieter getrennt oder zusammen angeboten werden:
- Inhaltliches Lektorat. Trägt die Handlung? Sind die Figuren glaubwürdig und ihre Motive nachvollziehbar? Stimmen Tempo, Spannungsbogen und Perspektivführung? Gibt es Logiklücken oder Widersprüche? Das Ergebnis sind oft Randkommentare und ein zusammenfassender Bericht.
- Sprachliches oder stilistisches Lektorat. Arbeit am Satz: unklare Formulierungen, Wiederholungen, schiefe Bilder, Füllwörter, holpriger Rhythmus, unpassender Ton. Hier gibt es meist konkrete Änderungsvorschläge im Text.
Ein Lektorat findet zwangsläufig auch Rechtschreibfehler, aber es ist nicht darauf ausgerichtet, alle zu finden. Wer ein Lektorat bucht, sollte nicht erwarten, danach einen fehlerfreien Text zu haben.
Korrektorat: Arbeit an der Richtigkeit
Im Korrektorat wird der Text auf Fehler gegen Regeln geprüft. Dazu gehören in der Regel:
- Rechtschreibung, einschließlich Getrennt- und Zusammenschreibung sowie Groß- und Kleinschreibung,
- Grammatik, etwa Fälle, Bezüge und Zeitformen,
- Zeichensetzung, besonders Kommas und die Zeichensetzung bei wörtlicher Rede,
- Einheitlichkeit von Schreibweisen, Namen, Zahlen und Anführungszeichen,
- offensichtliche Tippfehler und doppelte Wörter.
Das Korrektorat greift nicht in Inhalt und Stil ein. Ein umständlicher, aber korrekter Satz bleibt stehen. Für die deutsche Rechtschreibung ist das amtliche Regelwerk des Rats für deutsche Rechtschreibung die Grundlage; wo es Varianten erlaubt, sorgt das Korrektorat dafür, dass im ganzen Text dieselbe verwendet wird.
Zwischenformen und verwandte Leistungen
Die Begriffe sind nicht geschützt, und Anbieter grenzen sie unterschiedlich ab. Häufig begegnen dir außerdem:
| Leistung | Was sie meist umfasst | Wann sie sinnvoll ist |
|---|---|---|
| Manuskriptgutachten | Ausführliche schriftliche Einschätzung des ganzen Manuskripts, meist ohne Anmerkungen im Text | Vor einer großen Überarbeitung, um die Richtung zu klären |
| Probelektorat | Lektorat einiger Seiten als Arbeitsprobe | Vor der Auftragsvergabe, um Arbeitsweise und Passung zu prüfen |
| Inhaltliches Lektorat | Struktur, Figuren, Logik, Tempo | Wenn die Geschichte steht, aber noch nicht rund ist |
| Sprachliches Lektorat | Stil, Verständlichkeit, Satzbau | Wenn der Inhalt fertig ist |
| Korrektorat | Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung, Einheitlichkeit | Wenn der Text inhaltlich und sprachlich abgeschlossen ist |
| Schlusskorrektur im Satz | Letzter Korrekturdurchgang an den gesetzten Seiten (Fahnen- oder Satzkorrektur), etwa auf Trennungen, Umbruchfehler und beim Satz entstandene Fehler | Nach dem Buchsatz, kurz vor dem Druck |
Zeitlich folgen inhaltliches Lektorat, sprachliches Lektorat und Korrektorat am Manuskript aufeinander. Die Schlusskorrektur im Satz ist kein Ersatz für das Korrektorat, sondern der letzte Korrekturschritt danach: Sie findet erst nach dem Buchsatz statt und prüft die gesetzten Seiten.
Im Englischen ist die Einteilung noch feiner. Dort spricht man unter anderem von developmental editing (Struktur und Inhalt), line editing (Stil auf Satzebene), copy editing (Korrektheit und Einheitlichkeit) und proofreading (letzte Prüfung, oft am gesetzten Text). Die Zuordnung zu den deutschen Begriffen ist nur ungefähr; frag im Zweifel nach, was genau ein Angebot enthält.
Vorher und nachher: dieselbe Passage, zwei Arten der Arbeit
Die folgende Szene gehört zu einem erfundenen Spannungsroman: Die Fährfrau Rika entdeckt Drogen in der Fracht ihres Jugendfreundes Hauke. Als sie aussteigen will, bedroht er sie. Die Vergleichsfassungen zeigen ihre Angst vor einem weiteren Anruf und sind eigens für diese Übung geschrieben.
Ausgangstext:
Seid Haukes Besuch wusste Rika das sie Angst hatte. „Du fährst“ hatte er gesagt. Sie war sehr ängstlich und hatte große Angst davor ihn anzurufen.
Nach dem Korrektorat:
Seit Haukes Besuch wusste Rika, dass sie Angst hatte. „Du fährst“, hatte er gesagt. Sie war sehr ängstlich und hatte große Angst davor, ihn anzurufen.
„Seit“, „dass“ und die nötigen Kommas sind korrigiert. Die wiederholte Benennung der Angst bleibt als Stilfrage stehen.
Mögliche Lektoratsanmerkungen:
- Die drei Benennungen der Angst leisten fast dasselbe.
- Eine konkrete Reaktion könnte den Anruf vorbereiten.
- Haukes Satz braucht den Kontext seiner aggressiven Drohung.
Eine stilistische Überarbeitung:
„Du fährst.“ Rika hörte seinen Ton noch immer. Auf dem Display wartete seine Nummer. Sie legte das Telefon hin und nahm es wieder auf.
Das Korrektorat berichtigt die vorhandene Fassung. Das Lektorat prüft hier zusätzlich Wirkung, Wiederholung und Szenenfunktion. Die Überarbeitung ist eine Möglichkeit, kein verbindlicher Originaltext.
Wie Kosten meist berechnet werden
Preise für Lektorat und Korrektorat sind frei verhandelbar und unterscheiden sich stark nach Anbieter, Textzustand, Genre und Leistungsumfang. Übliche Grundlagen der Abrechnung sind:
- nach Normseite oder Zeichenzahl, die häufigste Form bei Romanen,
- nach Stunden, oft mit einer vorherigen Schätzung,
- als Pauschale für das ganze Manuskript.
In der Regel kostet ein Lektorat je Seite mehr als ein Korrektorat, weil es mehr Lesedurchgänge und mehr Nachdenken erfordert. Ein Probelektorat oder eine Textprobe ist üblich, damit die Fachperson den Aufwand einschätzen kann. Vergleiche Angebote nicht nur nach Preis, sondern danach, was genau enthalten ist: wie viele Durchgänge, ob es einen schriftlichen Bericht gibt, ob Rückfragen eingeschlossen sind. Orientierung über die Arbeitsweise freier Lektorinnen und Lektoren im deutschsprachigen Raum bieten Berufsverbände wie der VFLL.
Was braucht dein Manuskript?
- Die Geschichte wackelt noch, Testleserinnen und Testleser steigen an ähnlichen Stellen aus: Dann hilft ein Manuskriptgutachten oder ein inhaltliches Lektorat. Ein Korrektorat wäre jetzt zu früh.
- Die Geschichte steht, aber der Text liest sich zäh: Ein sprachliches Lektorat ist sinnvoll.
- Inhalt und Sprache sind abgeschlossen, der Text geht in den Satz oder an einen Verlag: Jetzt ist das Korrektorat dran.
- Du bewirbst dich bei Verlagen oder Agenturen: Dort erwartet man einen sorgfältigen, möglichst fehlerarmen Text, aber in der Regel kein vorab bezahltes Lektorat. Bei einer Veröffentlichung im Verlag ist das Lektorat meist Teil der Zusammenarbeit.
- Du veröffentlichst selbst: Dann bist du für beides verantwortlich. Wie du dabei vorgehst, beschreibt die Seite Selfpublishing.
Vor jeder bezahlten Leistung lohnt sich eine gründliche eigene Überarbeitung. Methoden dafür findest du unter Einen Roman selbst lektorieren.
Typische Fehler
- Ein Korrektorat buchen, obwohl ein Lektorat nötig wäre. Ein fehlerfreier Text mit schwacher Handlung bleibt ein schwacher Text.
- Nach dem Korrektorat noch umschreiben. Jede inhaltliche Änderung danach kann neue Fehler bringen. Wenn du doch etwas änderst, lass die geänderten Stellen noch einmal prüfen.
- Kein Stilblatt mitgeben. Ohne Liste der Namen, Fantasiewörter und bewussten Abweichungen muss die Fachperson raten oder nachfragen.
- Unklare Absprachen. „Einmal drüberlesen“ kann alles bedeuten. Halte schriftlich fest, welche Leistung du erwartest.
- Jeden Vorschlag ungeprüft übernehmen. Auch im professionellen Lektorat bleibt es dein Buch. Übernimm, was dich überzeugt, und frag nach, wo du anderer Meinung bist.
Praxistipps
- Schicke vor dem Auftrag einen kurzen Überblick mit: Genre, Zielgruppe, Länge und was dir selbst unsicher erscheint. Das hilft bei einer passenden Einschätzung.
- Kläre das Dateiformat. Viele Lektorinnen und Lektoren arbeiten mit Word und der Änderungsverfolgung.
- Arbeite die Rückmeldungen in Ruhe durch und sortiere sie nach Ebenen, wie in der Anleitung Ein Manuskript überarbeiten beschrieben.
- Rechne Zeit für die Einarbeitung des Feedbacks ein. Ein gutes Lektorat erzeugt Arbeit, nicht nur ein fertiges Ergebnis.
Mit Faustica umsetzen
Für die Zusammenarbeit mit einem Lektorat exportierst du in Faustica einzelne Kapitel als Word-Datei. Verankerte Kommentare werden als Word-Kommentare ausgegeben, die Änderungsverfolgung ist eingeschaltet. Die bearbeitete Datei holst du als zusätzliches Kapitel zurück und vergleichst sie in der geteilten Ansicht mit dem Original. Dieser Lektorat-Export gilt jeweils für ein Kapitel.

Soll das ganze Manuskript zu einer Fachperson oder in ein Korrektorat, nutzt du den normalen Export als Word-Datei oder PDF, auf Wunsch mit der Vorlage für Normseiten, die vielen Angeboten als Abrechnungsgrundlage dient.
Häufige Fragen
Ist ein Korrektorat im Lektorat enthalten?
Meist nicht vollständig. Ein Lektorat korrigiert Fehler, die dabei auffallen, ist aber nicht auf Vollständigkeit ausgelegt. Manche Anbieter bieten beides als Paket an; was enthalten ist, sollte im Angebot stehen.
Was ist der Unterschied zwischen Korrektorat und Korrekturlesen?
Im Alltag werden beide Begriffe oft gleich verwendet. Manche Anbieter verstehen unter Korrekturlesen eine einfachere Durchsicht auf Tippfehler und unter Korrektorat die vollständige Prüfung von Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung. Frag im Zweifel nach dem genauen Umfang.
Brauche ich ein Lektorat, bevor ich mein Manuskript an Verlage schicke?
Nicht zwingend. Verlage lektorieren angenommene Manuskripte in der Regel selbst. Wichtig ist ein sorgfältig überarbeiteter, möglichst fehlerarmer Text. Ein Gutachten oder Lektorat kann trotzdem sinnvoll sein, wenn du selbst nicht weiterkommst.
Kann ein Rechtschreibprogramm das Korrektorat ersetzen?
Nein. Automatische Prüfungen finden viele Fehler, übersehen aber verwechselte, korrekt geschriebene Wörter, Bezugsfehler und Uneinheitlichkeiten. Bei Fantasiewörtern und bewusst regelwidriger Figurensprache markieren sie dagegen oft, was richtig ist. Als Vorarbeit sind sie nützlich, als letzte Prüfung nicht.