Selfpublishing – das eigene Buch veröffentlichen

Im Selfpublishing bist du Autorin oder Autor und Verlag zugleich. Hier erfährst du, welche Aufgaben dazugehören, wie du vom fertigen Manuskript zu E-Book und Taschenbuch kommst und worauf du bei ISBN, Plattformen und Kosten achten solltest.

Christian Böhm8 Min. Lesezeit

Selfpublishing heißt, dass du dein Buch ohne Verlag veröffentlichst und die Aufgaben eines Verlags selbst übernimmst oder an Dienstleister vergibst: Lektorat und Korrektorat, Cover, Buchsatz, E-Book, ISBN, Preis, Vertrieb und Marketing. Technisch ist das heute einfach. Du lädst ein E-Book und eine Druckdatei bei einer Selfpublishing-Plattform oder einem Distributor hoch, gedruckte Exemplare entstehen meist erst bei einer Bestellung. Die eigentliche Arbeit liegt darin, ein Buch herzustellen, das sich neben Verlagstiteln behaupten kann, und Leserinnen und Leser zu erreichen.

Auf dieser Seite findest du, welche Aufgaben dazugehören, wie du in neun Schritten vom fertigen Manuskript zum veröffentlichten Buch kommst, welche Arten von Plattformen es gibt und welche Pflichten und Kosten auf dich zukommen. Ob Selfpublishing für dein Buch überhaupt der richtige Weg ist, vergleicht die Seite Ein Buch veröffentlichen – alle Möglichkeiten.

Was Selfpublishing umfasst

Wer selbst veröffentlicht, ist rechtlich und praktisch der Verlag des eigenen Buches. Daraus folgen Freiheiten und Aufgaben:

  • Du entscheidest: Titel, Cover, Preis, Erscheinungstermin, Formate und Vertriebswege.
  • Du behältst die Rechte: Je nach Plattform räumst du nur die Rechte ein, die für den Vertrieb nötig sind. Lies dennoch die Bedingungen, besonders zu Exklusivität und Kündigung.
  • Du trägst die Kosten: Für Lektorat, Korrektorat, Cover und gegebenenfalls Satz und ISBN zahlst du selbst. Dafür bist du am Verkauf meist höher beteiligt als bei einem Verlagsvertrag; die genauen Konditionen stehen auf den Seiten der jeweiligen Plattform.
  • Du machst das Marketing: Ohne Verlagsvertrieb und Vertreter musst du selbst dafür sorgen, dass dein Buch gefunden wird.

Plattformen und Vertriebswege

Für den Vertrieb gibt es im Wesentlichen drei Arten von Anbietern. Viele Autorinnen und Autoren kombinieren sie.

  • Shop-eigene Selfpublishing-Programme: Große Online-Händler bieten eigene Programme an, über die du E-Books und oft auch Taschenbücher direkt in ihrem Shop verkaufst. Manche verlangen für bestimmte Vorteile Exklusivität.
  • Distributoren: Sie liefern dein E-Book, manchmal auch das gedruckte Buch, an viele Shops gleichzeitig aus, teilweise auch an Bibliotheken und den Buchhandel. Dafür behalten sie einen Teil der Erlöse oder berechnen Gebühren.
  • Print-on-Demand-Anbieter: Sie drucken einzelne Exemplare bei Bestellung und machen das Buch über den Buchhandel bestellbar. Eine eigene Auflage musst du nicht vorfinanzieren, dafür ist das einzelne Exemplar teurer als bei einem Auflagendruck.

Konditionen, Formate und technische Vorgaben ändern sich regelmäßig. Verlasse dich deshalb nicht auf Zahlen aus Foren oder älteren Ratgebern, sondern auf die aktuellen Hilfeseiten des Anbieters, bevor du dich entscheidest.

In neun Schritten zum eigenen Buch

  1. Überarbeite das Manuskript gründlich. Selfpublishing ersetzt keine Überarbeitung. Rückmeldungen von Testleserinnen und Testlesern zeigen dir, wo der Text noch nicht trägt.
  2. Plane Lektorat und Korrektorat ein. Ein externes Lektorat arbeitet an Inhalt und Stil, ein Korrektorat an Rechtschreibung und Zeichensetzung. Was beides leistet und wie es meist abgerechnet wird, steht auf der Seite Lektorat und Korrektorat.
  3. Lass ein Cover gestalten. Das Cover muss in Miniaturgröße im Online-Shop funktionieren und auf den ersten Blick das Genre zeigen. Für die Druckausgabe brauchst du zusätzlich Buchrücken und Rückseite; deren Maße hängen von Format, Papier und Seitenzahl ab und stehen in den Vorgaben deines Anbieters.
  4. Kläre die ISBN. Die ISBN ist in Deutschland nicht vorgeschrieben, aber nötig, damit dein Buch im Buchhandel bestellbar ist. Viele Plattformen stellen eine eigene ISBN bereit; dann ist oft die Plattform als Verlag eingetragen. Eigene ISBNs bekommst du in Deutschland über die ISBN-Agentur der MVB. Laut deren FAQ brauchen verschiedene Ausgaben wie Taschenbuch, Hardcover und E-Book jeweils eine eigene ISBN.
  5. Erstelle das E-Book. Das übliche Format ist EPUB. Es braucht eine saubere Struktur mit echten Kapitelüberschriften, damit Inhaltsverzeichnis und Navigation funktionieren. Prüfe das Ergebnis auf mehreren Geräten oder in einer Lese-App.
  6. Erstelle die Druckdatei. Meist ein PDF im Format des gedruckten Buches, mit passendem Satzspiegel, eingebetteten Schriften, Titelei und Impressum. Was dabei anders ist als beim Einreichungsmanuskript, erklärt die Seite Ein Manuskript richtig formatieren.
  7. Schreibe Klappentext und Metadaten. Kurzbeschreibung, Kategorien, Schlagwörter und Autorenangaben entscheiden mit darüber, ob dein Buch in Shops gefunden wird. Der Klappentext macht neugierig und verrät das Ende nicht.
  8. Lege den Preis fest und lade hoch. Prüfe die Vorschau und bestelle vor der Veröffentlichung ein Probeexemplar der Druckausgabe. Fehler im Satz oder am Cover fallen auf Papier anders auf als am Bildschirm.
  9. Kümmere dich um die Pflichten und um Leserinnen und Leser. Dazu gehören Pflichtexemplare (siehe unten) und ein Plan, wie du dein Zielpublikum erreichst, etwa über eine eigene Website, einen Newsletter, Lesungen oder Rezensionsexemplare.

Pflichten in Deutschland

Wenn du in Deutschland selbst veröffentlichst, übernimmst du auch Pflichten, die sonst ein Verlag erfüllt. Die wichtigsten sind:

  • Pflichtablieferung: Selbstverlegerinnen und Selbstverleger mit Sitz oder Wohnsitz in Deutschland gehören laut Deutscher Nationalbibliothek zu den Ablieferungspflichtigen, für gedruckte Bücher ebenso wie für E-Books. Für Print-on-Demand-Titel gelten eigene Regeln, und viele Bundesländer haben zusätzlich ein regionales Pflichtexemplarrecht. Die Details stehen auf den Seiten der DNB.
  • Buchpreisbindung: In Deutschland gilt für Bücher das Buchpreisbindungsgesetz, das ausdrücklich auch dauerhaft angebotene E-Books erfasst. Wer Bücher verlegt, legt einen Endpreis fest, der dann überall gilt. Viele Plattformen setzen das technisch um; für Sonderaktionen und Preisänderungen solltest du die Regeln kennen.
  • Impressum und Steuern: Ins Buch gehört ein Impressum, und Einnahmen aus Buchverkäufen müssen steuerlich erklärt werden. Bei Fragen dazu hilft eine Steuerberatung, nicht ein Forum.

In Österreich, der Schweiz und anderen Ländern gelten teils andere Regeln; prüfe sie bei den dortigen Stellen.

Ein Beispiel: Veröffentlichung von Rikas Einzelroman planen

Für dieses Beispiel planen wir die Veröffentlichung eines erfundenen Spannungsromans: Die Fährfrau Rika wird von ihrem Jugendfreund Hauke für Drogentransporte benutzt und nach der Entdeckung bedroht. Aus Angst vor ihm entwickelt sie eine Falle mit vorgetäuschtem Motorschaden und anonymem Tipp. Angenommen, diese Geschichte liegt als fertig überarbeiteter Einzelroman vor: Eine mögliche Planung könnte so aussehen.

Aufgabe Entscheidung für dieses Beispiel
Textarbeit Prüfen, ob Haukes Aggression, Rikas Angst und die anonyme Falle nachvollziehbar aufgebaut sind.
Cover Einen Spannungsroman auf einer Insel vermitteln; keine gemütliche Reisegeschichte versprechen.
Klappentext Abhängigkeit und Bedrohung nennen, die konkrete Falle nicht vorwegnehmen.
Ausgabedateien Gewählte Formate erstellen und auf tatsächlichen Geräten oder als Druckprobe prüfen.
Zeitplan Termine erst festlegen, wenn Textarbeit und Produktionsschritte realistisch eingeschätzt sind.

Ein zweiter Band ist für den Lehrstoff nicht festgelegt. Es wäre unredlich, eine rasche Fortsetzung zu versprechen, nur um das Muster einer Veröffentlichungsstrategie zu erfüllen. Das Beispiel betrifft die Planung um einen möglichen Roman, nicht ein bereits kaufbares Buch.

Typische Fehler

  • Ohne Lektorat und Korrektorat veröffentlichen. Leserinnen und Leser verzeihen wenige Fehler, und Rezensionen bleiben stehen.
  • Ein Cover, das nicht zum Genre passt. Ein selbst gebasteltes oder unpassendes Cover signalisiert im Shop sofort „nicht professionell“.
  • Die Druckdatei nicht prüfen. Ohne Probeexemplar bleiben verrutschte Seitenzahlen, falsche Ränder oder ein zu schmaler Buchrücken unentdeckt.
  • Exklusivität übersehen. Manche Programme binden dein E-Book für eine bestimmte Zeit an einen Shop. Lies die Bedingungen, bevor du zustimmst.
  • Kein Plan für die Sichtbarkeit. Ein hochgeladenes Buch verkauft sich nicht von selbst.

Praxistipps

  • Lege ein Budget fest, bevor du Angebote einholst, und priorisiere: Lektorat und Cover haben meist den größten Einfluss auf die Wirkung des Buches.
  • Lies die Hilfeseiten deiner Plattform vollständig, besonders zu Dateiformaten, Covermaßen und Konditionen.
  • Verwende überall denselben Autorennamen und dieselben Metadaten, damit deine Bücher zusammen gefunden werden.
  • Halte alles schriftlich fest, was du mit Dienstleistern vereinbarst: Leistung, Termin, Preis und Nutzungsrechte, etwa am Coverbild.

Mit Faustica umsetzen

Für das E-Book und die Druckausgabe brauchst du verschiedene Dateien aus demselben Text. Der Export gibt dein Manuskript als E-Book (EPUB), PDF, Word-Datei oder Markdown aus, mit Vorlagen für Taschenbuch und E-Book. Titelbild, Titelseite, Inhaltsverzeichnis, Seitenzahlen und Kapitelgestaltung lassen sich berücksichtigen, Seitenformat, Ränder und Schrift kannst du selbst festlegen. Ob die Dateien den technischen Vorgaben deiner Plattform entsprechen, prüfst du anschließend anhand von deren Hilfeseiten.

Ein mit Faustica exportiertes Buch mit Titelseite, Inhaltsverzeichnis und gesetzten Kapiteln
Ein Beispiel-Export als Buch

Für das Lektorat exportierst du einzelne Kapitel als Word-Datei; Kommentare und Änderungen des Lektorats holst du anschließend zurück und vergleichst sie in der geteilten Ansicht mit dem Original. Den Umfang deines Buches in Wörtern und Zeichen, den du für Angebote brauchst, zeigt die Statistik.

Häufige Fragen

Brauche ich für Selfpublishing eine ISBN?

In Deutschland ist die ISBN nicht vorgeschrieben. Ohne sie ist dein Buch im Buchhandel aber kaum bestellbar, und manche Shops oder Vertriebswege setzen sie voraus. Viele Plattformen bieten eine eigene ISBN an; mit einer selbst gekauften ISBN trittst du selbst als Verlag auf.

Kann ich gleichzeitig E-Book und Taschenbuch veröffentlichen?

Ja, das ist üblich. Beide Ausgaben brauchen eigene Dateien und, wenn du ISBNs verwendest, jeweils eine eigene ISBN. Sie können über dieselbe oder über verschiedene Plattformen erscheinen.

Was kostet Selfpublishing?

Das Hochladen ist bei vielen Plattformen kostenlos. Die Hauptkosten entstehen durch die Leistungen, die du einkaufst: Lektorat, Korrektorat, Cover, gegebenenfalls Buchsatz, ISBNs und Marketing. Wie viel davon du selbst übernehmen kannst, entscheidet über die Höhe.

Darf ich mein Buch unter einem Pseudonym veröffentlichen?

Ja, Pseudonyme sind im Selfpublishing verbreitet. Für das Impressum und gegenüber Plattformen und Behörden bleiben aber je nach Land Angaben zu deiner Person oder einer ladungsfähigen Anschrift nötig. Prüfe die Anforderungen deiner Plattform und, in Deutschland, die Impressumspflicht.