Wortwiederholungen erkennen und vermeiden

Nicht jede Wiederholung ist ein Fehler, aber ungewollte stören den Lesefluss. Hier erfährst du, wie du sie findest, wie du sie ohne krampfhafte Synonyme auflöst und wann du sie bewusst einsetzt.

Christian Böhm7 Min. Lesezeit

Wortwiederholungen vermeidest du am besten, indem du sie zuerst sichtbar machst und dann von Fall zu Fall entscheidest: Oft lässt sich das wiederholte Wort streichen, durch ein Pronomen ersetzen oder der Satz so umbauen, dass es nur einmal gebraucht wird. Ein Synonym ist nur eine von mehreren Lösungen und nicht immer die beste. Und manche Wiederholungen solltest du gar nicht auflösen, weil sie Rhythmus, Klarheit oder einen bewussten Effekt tragen.

Auf dieser Seite findest du die verschiedenen Arten von Wiederholungen, Wege, sie zu finden, fünf Strategien zum Auflösen mit Vorher-nachher-Beispielen und eine Checkliste. Am Ende geht es um Wiederholungen als Stilmittel, denn wer jedes doppelte Wort tilgt, schadet seinem Text mitunter mehr, als er ihm nützt.

Welche Arten von Wiederholungen es gibt

Wenn von Wortwiederholungen die Rede ist, sind meist mehrere Dinge gemeint:

  • Wiederholungen im Nahbereich. Dasselbe auffällige Wort steht zweimal in einem Satz oder in zwei aufeinanderfolgenden Sätzen. Das fällt beim Lesen am stärksten auf.
  • Gleiche Satzanfänge. Mehrere Sätze hintereinander beginnen mit „Er“, „Sie“, „Dann“ oder „Als“. Der Text bekommt dadurch einen eintönigen Takt.
  • Lieblingswörter. Wörter, die über das ganze Manuskript verteilt immer wieder auftauchen, etwa „plötzlich“, „leicht“, „irgendwie“, „spüren“. Im einzelnen Kapitel fallen sie kaum auf, im ganzen Buch sehr wohl.
  • Wiederkehrende Gesten und Bilder. Figuren, die ständig nicken, seufzen, die Stirn runzeln oder sich durchs Haar fahren. Oder ein Vergleich, der dir so gut gefallen hat, dass er dreimal vorkommt.
  • Inhaltliche Wiederholungen. Eine Information wird mehrfach erklärt, eine Figur denkt dasselbe in mehreren Szenen. Das gehört eher zum inhaltlichen Teil der Überarbeitung, wirkt aber ähnlich ermüdend.

Kleine Funktionswörter wie „und“, „der“, „die“ oder „sagte“ wiederholen sich in jedem Text ständig. Sie stören in der Regel nicht, weil man über sie hinwegliest. Auffällig werden vor allem inhaltsreiche, seltene oder bildhafte Wörter.

Wiederholungen finden

Ungewollte Wiederholungen sind schwer zu sehen, weil du beim eigenen Text auf den Inhalt achtest, nicht auf einzelne Wörter. Verschiedene Methoden ergänzen sich:

  1. Laut lesen. Das Ohr merkt Wiederholungen im Nahbereich und gleiche Satzanfänge oft schneller als das Auge.
  2. Absatzweise auf Satzanfänge achten. Lies nur das jeweils erste Wort jedes Satzes. Muster werden so sofort sichtbar.
  3. Mit der Suchfunktion arbeiten. Für deine bekannten Lieblingswörter suchst du gezielt im ganzen Manuskript und prüfst jede Fundstelle.
  4. Eine Häufigkeitsanalyse nutzen. Werkzeuge, die zählen, welche Wörter in einem Kapitel besonders oft vorkommen, decken Lieblingswörter auf, die du selbst gar nicht als solche kennst.
  5. Eine eigene Liste führen. Was du einmal gefunden hast, notierst du in einem persönlichen Fehlerkatalog, wie auf der Seite Einen Roman selbst lektorieren beschrieben.

Eine Zahl, ab wann eine Wiederholung zu viel ist, gibt es nicht. Entscheidend ist, ob sie beim Lesen auffällt und ob sie etwas bewirken soll.

Fünf Wege, eine Wiederholung aufzulösen

Die Lehrsätze gehören zu einem erfundenen Spannungsroman über die Fährfrau Rika. Ihr Jugendfreund Hauke hat eine Reparatur vorfinanziert und nutzt ihre Fahrten ohne ihr Wissen für Drogenlieferungen. Die Beispiele zeigen, wie sich Wiederholungen in Sätzen über diese Figuren und ihren Alltag bearbeiten lassen.

1. Streichen

Vorher: Rika nahm das Telefon. Das Telefon vibrierte.

Nachher: Rika nahm das vibrierende Telefon.

2. Umbauen

Vorher: Hauke bezahlte die Reparatur. Hauke verlangte dafür Frachtfahrten.

Nachher: Hauke bezahlte die Reparatur und verlangte dafür Frachtfahrten.

Für den ausgearbeiteten Text muss klar bleiben, dass es eine Vorfinanzierung ist, kein Geschenk.

3. Satzanfänge variieren

Vorher: Rika hörte Schritte. Rika legte das Telefon weg. Rika sah zur Tür.

Nachher: Schritte auf der Treppe. Rika legte das Telefon weg und sah zur Tür.

4. Genauer werden

Vorher: Sie ging zur Kiste und machte die Kiste auf.

Nachher: Sie kniete vor der Kiste und hob den Deckel.

Die genauere Bewegung verändert die Szene leicht; sie muss zur räumlichen Situation passen.

5. Synonyme mit Bedacht

„Boot“ muss nicht abwechselnd „Schiff“, „Kahn“ und „Fahrzeug“ heißen. Die Wörter können Größe, Zustand und Ton anders nahelegen. Oft hilft ein Satzumbau mehr als ein Ersatzwort.

Wann Wiederholung richtig ist

Bewusste Wiederholung kann Rikas Warten gestalten. Diese möglichen Formulierungen sind Lehrvarianten.

  • Parallelismus: „Nicht noch eine Fahrt. Nicht noch eine Kiste.“ Die gleiche Satzform gewichtet ihre Weigerung.
  • Wiederkehrendes Motiv: Eine Reparaturrechnung kann zuerst Erleichterung, später Abhängigkeit bedeuten. Der Gegenstand kehrt mit veränderter Bedeutung wieder.
  • Dialog: „Du fährst“, sagt Hauke. Wenn Rika den Satz später in Gedanken wiederholt, kann sein Ton ihre Angst hörbar machen.
  • Orientierung: Wiederhole den Namen Rika, wenn ein Pronomen unklar wäre. Verständlichkeit ist wichtiger als eine künstliche Vermeidung jeder Namenswiederholung.

Entscheidend ist die Funktion. Eine Wiederholung, die nur dieselbe Information liefert, kann entfallen; eine, die Druck oder Veränderung zeigt, kann bleiben.

Checkliste: Wiederholungen prüfen

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  • Kapitel laut gelesen, Stolperstellen markiert
  • Satzanfänge jedes Absatzes überflogen
  • Häufigste Wörter des Kapitels geprüft
  • Persönliche Lieblingswörter per Suche abgeglichen
  • Wiederkehrende Gesten (nicken, seufzen, lächeln) gezählt und reduziert
  • Bei jedem Synonym geprüft: Ist klar, dass dasselbe gemeint ist?
  • Namen, Fachbegriffe und Fantasiewörter einheitlich gelassen
  • Bewusste Wiederholungen (Leitmotive, Parallelismen) erhalten

Typische Fehler

  • Jede Wiederholung tilgen. Ein Text ohne jede Wiederholung wirkt schnell gesucht. Lass Wiederholungen stehen, die nicht auffallen oder etwas tragen.
  • Synonyme aus dem Wörterbuch einsetzen, ohne den Ton zu prüfen. „Ross“ statt „Pferd“ passt in eine bestimmte Erzählstimme, in eine andere gar nicht.
  • Mehrdeutige Pronomen erzeugen. Wer aus Angst vor Wiederholungen nur noch „er“ schreibt, macht unklar, wer handelt.
  • Zu früh suchen. Die Wiederholungsprüfung gehört in den sprachlichen Durchgang. Wer im ersten Entwurf jede Doppelung jagt, verliert den Schreibfluss.
  • Nur im Nahbereich suchen. Lieblingswörter über das ganze Buch fallen erst auf, wenn du gezielt danach suchst.

Praxistipps

  • Prüfe Wiederholungen kapitelweise, nicht im ganzen Manuskript auf einmal. So bleibt die Liste überschaubar.
  • Wenn ein Wort sehr oft auftaucht, frag dich, ob dahinter eine Gewohnheit steckt, etwa „plötzlich“ als Ersatz für echte Überraschung. Dann hilft oft ein Umbau statt eines Ersatzworts.
  • Halte bewusste Wiederholungen in einem Kommentar fest, damit du sie in einem späteren Durchgang nicht versehentlich „korrigierst“.
  • Mehr zu Rhythmus, Satzbau und Wortwahl findest du auf der Seite Den eigenen Schreibstil verbessern.

Mit Faustica umsetzen

Der Editor von Faustica enthält eine Wiederholungsanalyse, die in der Seitenleiste neben deinem Text häufig verwendete Wörter auflistet, wahlweise für das aktuelle Kapitel oder das ganze Manuskript. Kurze und gängige Wörter wie Artikel und Konjunktionen sind dabei ausgenommen, sodass vor allem auffällige Wiederholungen und mögliche Lieblingswörter übrig bleiben. Für das Ersetzen gibt es Offline-Synonyme, die ohne Internetverbindung funktionieren. Ob ein Vorschlag passt, entscheidest du wie bei jedem Wörterbuch selbst.

Der Editor von Faustica mit Kapitelbaum, Text und Seitenleiste mit Kompendium, Notizen, Kommentaren und Wiederholungen
Der Editor mit der Seitenleiste für Kommentare und Wiederholungen

Bewusste Wiederholungen markierst du mit einem Kommentar an der Textstelle, etwa „Echo zu Kapitel 3, so lassen“. So ist auch in späteren Durchgängen klar, dass die Stelle gewollt ist.

Häufige Fragen

Wie viele Wörter Abstand sollte zwischen zwei gleichen Wörtern liegen?

Eine feste Regel gibt es nicht. Wie stark eine Wiederholung auffällt, hängt vom Wort ab: Ein seltenes, bildhaftes Wort fällt auch nach einer Seite noch auf, ein „sagte“ selbst im nächsten Satz kaum. Lies die Stelle laut und entscheide nach dem Höreindruck.

Darf ich den Namen einer Figur oft wiederholen?

Ja, in vielen Fällen ist das besser als ein Ersatz. Umschreibungen wie „der Schmied“ oder „der junge Mann“ eignen sich nur, wenn sie eindeutig sind und zur Perspektive passen. In Szenen mit mehreren Figuren gleichen Geschlechts sorgen Namen außerdem für Klarheit.

Sind Wortwiederholungen ein Rechtschreib- oder Grammatikfehler?

Nein. Wiederholungen sind eine Frage des Stils, nicht der Richtigkeit. Deshalb gehören sie in den sprachlichen Durchgang oder ein sprachliches Lektorat, weniger ins Korrektorat. Welche Fehler dort im Mittelpunkt stehen, beschreibt die Seite Häufige Schreibfehler.

Wie finde ich meine Lieblingswörter?

Am zuverlässigsten mit einer Häufigkeitsanalyse über mehrere Kapitel. Auch Testleserinnen und Testleser bemerken sie oft, gerade wenn sie mehrere Kapitel am Stück lesen. Einmal gefunden, kommen sie auf deine persönliche Liste.