Einen Verlag für dein Manuskript finden

Den passenden Verlag findest du nicht durch möglichst viele Einsendungen, sondern durch gezielte Auswahl. Hier erfährst du, wie du Agenturen und Verlage recherchierst, dich bewirbst, den Überblick behältst und mit Absagen umgehst.

Christian Böhm7 Min. Lesezeit

Einen Verlag für dein Manuskript findest du, indem du gezielt nach Verlagen und Literaturagenturen suchst, die Bücher wie deines veröffentlichen oder vertreten, ihre Einsendehinweise genau liest und ihnen eine sorgfältige Bewerbung aus Anschreiben, Exposé und Leseprobe schickst. Entscheidend ist die Passung: Ein gutes Manuskript beim falschen Verlag wird ebenso abgelehnt wie ein unfertiges beim richtigen. Rechne mit langen Wartezeiten und mit Absagen; beides ist normal und kein Urteil über dein Talent.

Auf dieser Seite findest du, ob du dich besser zuerst an Agenturen oder an Verlage wendest, wie du passende Adressen recherchierst, wie du die Bewerbung Schritt für Schritt vorbereitest und was nach dem Abschicken kommt. Ein Beispiel zeigt ein kurzes Anschreiben. Was in das Exposé gehört, steht auf der eigenen Seite Ein Exposé für einen Roman schreiben.

Agentur oder direkt zum Verlag?

Im deutschsprachigen Raum gibt es zwei Wege zu einem Verlagsvertrag. Du kannst dich direkt bei Verlagen bewerben oder bei einer Literaturagentur, die dein Manuskript dann Verlagen anbietet. Welcher Weg besser ist, hängt vor allem von den Verlagen ab, die für dich infrage kommen:

  • Große Publikumsverlage erhalten viele Manuskripte. Manche prüfen unverlangte Einsendungen gar nicht oder nur eingeschränkt und arbeiten bevorzugt mit Agenturen zusammen. Was gilt, steht meist im Bereich „Manuskripte“ oder „Einsendungen“ auf ihrer Website.
  • Kleine und unabhängige Verlage nehmen oft direkt Manuskripte an, manchmal nur zu bestimmten Zeiten oder für bestimmte Programme.
  • Literaturagenturen prüfen Einsendungen, arbeiten häufig mit dir am Text und verhandeln später den Vertrag. Sie werden in der Regel an deinen Einnahmen beteiligt und verlangen kein Geld im Voraus.

Ein häufiger Weg ist, sich zuerst bei Agenturen zu bewerben und, wenn das nicht gelingt, bei Verlagen, die Direkteinsendungen annehmen. Wenn du dein Manuskript schon vielen Verlagen angeboten hast, wird es für eine Agentur schwieriger, es noch zu vermitteln. Einen Überblick über alle Wege, auch Selfpublishing, gibt die Seite Ein Buch veröffentlichen.

Passende Verlage und Agenturen recherchieren

Eine erste Auswahl mit direkten Links findest du in der Übersicht: Verlage nach Genre und Literaturagenturen.

Die beste Recherche beginnt bei Büchern, die deinem ähneln:

  • Im Regal: Nimm Romane aus deinem Genre und mit ähnlicher Zielgruppe zur Hand. Im Impressum steht der Verlag, in der Danksagung wird oft die Agentur oder die Lektorin genannt.
  • Auf Verlagswebsites: Schau dir das aktuelle Programm an, nicht nur einzelne Titel. Hat der Verlag eine Reihe oder ein Imprint für dein Genre? Erscheinen dort Debüts?
  • Auf Agenturwebsites: Agenturen nennen meist, welche Genres sie vertreten und welche nicht, oft auch, welche Autorinnen und Autoren sie betreuen.
  • Bei Veranstaltungen: Buchmessen, Lesungen und Schreibkurse sind Gelegenheiten, Programme kennenzulernen. Ein Manuskript drückt man dort aber niemandem in die Hand.

Lege für jede Adresse fest, warum sie passt. Wenn dir kein konkreter Grund einfällt, passt sie vermutlich nicht.

Die Bewerbung vorbereiten in sieben Schritten

  1. Mach das Manuskript fertig. Bewirb dich erst, wenn der Roman abgeschlossen und überarbeitet ist. Fordert eine Agentur das ganze Manuskript an, sollte es sofort bereitliegen.
  2. Erstelle eine Liste. Sammle zehn bis zwanzig passende Agenturen oder Verlage mit Ansprechperson, Einsendeweg, verlangten Unterlagen und Besonderheiten.
  3. Lies die Einsendehinweise jeder Adresse. Welche Unterlagen, wie viele Seiten Leseprobe, welches Dateiformat, per E-Mail oder Formular, an wen? Manche bitten darum, nicht gleichzeitig bei anderen anzufragen, andere haben nichts dagegen.
  4. Schreibe das Anschreiben. Kurz, sachlich, auf eine Seite: Titel, Genre, Umfang, ein bis drei Sätze zur Geschichte, warum du dich gerade hier bewirbst, ein paar Sätze zu dir. Sprich, wenn möglich, eine Person mit Namen an.
  5. Schreibe das Exposé nach den Vorgaben der Adresse. Es erzählt die Handlung einschließlich des Endes.
  6. Bereite die Leseprobe vor. Meist die ersten Seiten oder Kapitel, nicht die stärksten aus der Mitte. Formatiert, wie verlangt; Hinweise dazu stehen unter Ein Manuskript richtig formatieren.
  7. Schicke in Wellen. Bewirb dich zunächst bei einem Teil deiner Liste. Kommen nur Absagen ohne Nachfrage, hast du noch Gelegenheit, Anschreiben, Exposé oder Anfang zu verbessern, bevor du die nächsten anschreibst.

Ein Beispiel: Anschreiben für einen Kriminalroman

Das folgende Muster bietet einen erfundenen Spannungsroman mit dem Arbeitstitel „Die letzte Fähre“ an: Die Fährfrau Rika wird von ihrem Jugendfreund Hauke unwissentlich für Drogentransporte benutzt. Als sie aussteigen will, bedroht er sie; sie versucht, ihn durch eine Täuschung auffliegen zu lassen. Bei einem eigenen Anschreiben ersetzt du die Platzhalter durch überprüfte Angaben zu deinem Manuskript.

Sehr geehrte Frau [Name],

Sie vertreten laut Ihren Einsendehinweisen [passender Programmschwerpunkt]. Deshalb biete ich Ihnen meinen Spannungsroman „Die letzte Fähre“ an, [tatsächlicher Bearbeitungsstand und Umfang]. Er ist als Einzelroman angelegt.

Eine Fährfrau entdeckt, dass ihr Jugendfreund sie für Drogentransporte benutzt. Als sie aussteigen will, bedroht er sie. Aus Angst vor ihm entwickelt sie eine Falle, die ihn zum eigenen Transport der Ware bewegen soll.

[Kurze relevante Angaben zur Person.]

Anbei finden Sie [die tatsächlich angeforderten Unterlagen].

Mit freundlichen Grüßen> [Name und Kontakt]

Das Anschreiben nennt den Konflikt, aber nicht jeden Handlungsschritt. Der anonyme Tipp und die Festnahme gehören in das vollständige Exposé, das die Auflösung verrät. Genre, Umfang und Bearbeitungsstand müssen zum tatsächlich angebotenen Manuskript passen.

Nach dem Abschicken: Wartezeit, Absagen, Zusagen

Wartezeit: Antworten dauern oft Wochen bis Monate. Manche Agenturen und Verlage schreiben in ihren Hinweisen, dass sie sich nur bei Interesse melden und nach einer bestimmten Frist keine Antwort als Absage zu verstehen ist. Nachfragen solltest du erst, wenn die genannte Frist verstrichen ist, und dann höflich und kurz.

Absagen: Die meisten Absagen sind Standardschreiben ohne Begründung. Lies nicht zu viel hinein; oft passt das Buch nur nicht ins Programm oder der Platz ist vergeben. Eine persönliche Rückmeldung oder die Anforderung des ganzen Manuskripts ist dagegen ein gutes Zeichen, auch wenn am Ende eine Absage steht.

Zusagen: Wenn eine Agentur dich vertreten oder ein Verlag dein Buch veröffentlichen will, lies den Vertrag gründlich. Kläre, welche Rechte du abgibst, für wie lange, wie Honorar und Vorschuss geregelt sind und wie der Vertrag endet. Informiere andere Adressen, bei denen dein Manuskript noch liegt. Seriöse Verlage und Agenturen verlangen kein Geld von dir; woran du unseriöse Angebote erkennst, steht auf der Seite Ein Buch veröffentlichen.

Typische Fehler

  • Massenmails. Dieselbe E-Mail an viele Adressen in Kopie wirkt beliebig und verletzt oft die Einsendehinweise.
  • Unpassende Adressen. Ein Fantasy-Roman an einen Verlag ohne Fantasy im Programm hat keine Chance, egal wie gut er ist.
  • Unfertiges Manuskript. Ein Exposé zu einem Roman, der erst zur Hälfte existiert, führt bei Debüts meist ins Leere.
  • Zu viel Selbstlob. „Der nächste Bestseller“ und Vergleiche mit Weltliteratur überzeugen niemanden. Lass den Text sprechen.
  • Nachhaken nach einer Woche. Ungeduld wirkt unprofessionell. Halte dich an die genannten Fristen.

Praxistipps

  • Führe eine Tabelle: Adresse, Datum, gesendete Unterlagen, Antwort, nächste Schritte. So schickst du nichts doppelt.
  • Lege für jede Einsendung eine eigene Fassung von Anschreiben und Exposé ab, angepasst an die jeweiligen Vorgaben.
  • Schreib in der Wartezeit weiter, am besten an etwas Neuem. Das macht das Warten leichter und gibt dir etwas, das du bei Interesse erwähnen kannst.
  • Wenn nach einer ganzen Runde nur Standardabsagen kommen, prüfe zuerst den Anfang des Manuskripts und das Anschreiben. Sie sind die Teile, die am sichersten gelesen werden.

Mit Faustica umsetzen

Die Leseprobe erstellst du mit dem Export: Du wählst einzelne Kapitel oder eine Auswahl aus und gibst sie als Word-Datei oder PDF aus, auf Wunsch mit der Vorlage für die Normseite. Schrift, Zeilenabstand, Ränder und Seitenzahlen kannst du an die Vorgaben einer Agentur anpassen. Für ein angefordertes Gesamtmanuskript exportierst du das ganze Manuskript.

Der Export-Dialog in Faustica mit Formaten und Vorlagen
Der Export-Dialog mit Formaten und Vorlagen

Für die Recherche kannst du in den Notizen ein eigenes Board anlegen: eine Notiz je Agentur oder Verlag, mit Link zu den Einsendehinweisen, Schlagwörtern wie „angefragt“ oder „Absage“ und den Fassungen deines Anschreibens als PDF.

Häufige Fragen

Darf ich mich bei mehreren Agenturen oder Verlagen gleichzeitig bewerben?

In vielen Fällen ja. Manche Einsendehinweise bitten um Exklusivität oder darum, Bescheid zu geben, wenn das Manuskript auch anderswo liegt. Wenn eine Adresse Interesse zeigt oder ein Angebot macht, informiere die anderen.

Wie lange dauert es, bis ein Verlag antwortet?

Das ist sehr unterschiedlich und reicht von wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten. Viele Agenturen und Verlage nennen auf ihrer Website eine ungefähre Frist. Ist keine genannt, warte mehrere Monate, bevor du höflich nachfragst.

Soll ich das Manuskript per Post oder per E-Mail schicken?

So, wie es in den Einsendehinweisen steht. Viele nehmen Bewerbungen inzwischen nur per E-Mail oder über ein Formular an. Ist ausdrücklich der Postweg gewünscht, schicke einen Ausdruck, keine Datenträger.

Was mache ich, wenn alle absagen?

Prüfe, ob die Auswahl der Adressen gepasst hat und ob Anfang, Anschreiben und Exposé überzeugen; Rückmeldungen von Testleserinnen und Testlesern können dabei helfen. Danach kannst du eine neue Runde starten, ein anderes Projekt anbieten oder den Weg ins Selfpublishing gehen.