Ein Buch veröffentlichen kannst du auf drei grundsätzlichen Wegen: Du bewirbst dich direkt bei einem Verlag, du bewirbst dich bei einer Literaturagentur, die dein Manuskript an Verlage vermittelt, oder du veröffentlichst selbst, also im Selfpublishing. Beim Verlag trägt der Verlag die Kosten und das wirtschaftliche Risiko und zahlt dir ein Honorar; dafür entscheidet er mit über Titel, Cover, Lektorat und Erscheinungstermin. Im Selfpublishing behältst du alle Entscheidungen, trägst aber auch alle Kosten und Aufgaben selbst. Dazwischen gibt es Mischformen, die seriös sein können oder eben nicht.
Auf dieser Seite findest du, wie die einzelnen Wege ablaufen, worin sie sich bei Geld, Rechten und Aufwand unterscheiden, und eine Entscheidungshilfe in sechs Fragen. Ein eigener Abschnitt erklärt, woran du Angebote erkennst, bei denen du für eine Veröffentlichung bezahlst, die ein Verlag eigentlich selbst finanzieren müsste.
Was „veröffentlichen“ eigentlich umfasst
Ein Buch ist veröffentlicht, wenn es öffentlich erhältlich ist, gedruckt, als E-Book oder beides. Damit es Leserinnen und Leser auch findet, gehört aber mehr dazu als eine Datei oder ein Druck:
- Lektorat und Korrektorat: inhaltliche und sprachliche Arbeit am Text, danach die Fehlerkorrektur. Den Unterschied erklärt die Seite Lektorat und Korrektorat.
- Herstellung: Buchsatz für die Druckausgabe, ein sauberes E-Book, Cover, Klappentext.
- Metadaten und Kennung: Titel, Autorname, Genre, Beschreibung und meist eine ISBN, damit das Buch im Handel auffindbar und bestellbar ist.
- Vertrieb: der Weg in Online-Shops, Buchhandlungen und Bibliotheken.
- Marketing: dafür sorgen, dass jemand von dem Buch erfährt.
Bei einem Verlag übernimmt der Verlag diese Aufgaben weitgehend. Im Selfpublishing erledigst du sie selbst oder beauftragst Dienstleister. Die Wahl des Weges ist deshalb auch die Frage, wer was übernimmt und wer es bezahlt.
Weg 1: Verlag
Ein Verlag kauft dir bestimmte Nutzungsrechte an deinem Text ab, meist das Recht, das Buch zu vervielfältigen und zu verbreiten, oft auch weitere Rechte wie E-Book oder Hörbuch. Das regelt ein Verlagsvertrag. Im Gegenzug finanziert der Verlag Lektorat, Herstellung, Vertrieb und Werbung und beteiligt dich am Verkauf. Häufig gibt es einen Vorschuss, der mit späteren Honoraren verrechnet wird; Höhe und Bedingungen sind Verhandlungssache und unterscheiden sich stark.
Verlage sind sehr unterschiedlich. Große Publikumsverlage erhalten viele unverlangte Manuskripte und nehmen manche gar nicht direkt an, sondern arbeiten bevorzugt mit Literaturagenturen. Kleine und unabhängige Verlage nehmen dagegen oft direkt Einsendungen an, haben ein klar umrissenes Programm und betreuen ihre Autorinnen und Autoren persönlich, dafür meist mit kleineren Auflagen und Budgets.
Vorteile: Du trägst kein finanzielles Risiko, bekommst professionelles Lektorat und Herstellung, und das Buch hat bessere Chancen, im stationären Buchhandel ausgelegt und von der Presse wahrgenommen zu werden. Nachteile: Der Weg ist lang und ungewiss, Absagen sind die Regel. Du gibst Rechte ab und entscheidest über Titel, Cover und Termin nicht allein. Zwischen Vertrag und Erscheinen kann viel Zeit vergehen.
Wie du passende Verlage findest und dich bewirbst, erklärt die Seite Einen Verlag für dein Manuskript finden.
Weg 2: Literaturagentur
Eine Literaturagentur ist kein Verlag, sondern eine Vermittlerin. Sie wählt Manuskripte aus, arbeitet oft noch mit dir daran, bietet sie passenden Verlagen an und verhandelt den Vertrag. Bezahlt wird sie üblicherweise mit einem Anteil an den Einnahmen aus dem vermittelten Vertrag, also erst, wenn du selbst Geld bekommst.
Vorteile: Agenturen kennen Programme und Ansprechpartner der Verlage, erreichen Häuser, die keine unverlangten Manuskripte annehmen, und verhandeln Verträge mit Erfahrung. Nachteile: Auch Agenturen nehmen nur einen kleinen Teil der Einsendungen an, und ein Agenturvertrag garantiert noch keinen Verlagsvertrag.
Für die Bewerbung bei Agentur und Verlag brauchst du in der Regel dasselbe Paket aus Anschreiben, Exposé und Leseprobe.
Weg 3: Selfpublishing
Im Selfpublishing bist du selbst die Verlegerin oder der Verleger. Du lässt das Buch lektorieren, gestaltest oder beauftragst Cover und Satz, lädst E-Book und Druckdatei bei einer Plattform oder einem Distributor hoch und kümmerst dich um die Vermarktung. Gedruckte Ausgaben entstehen dabei häufig im Print-on-Demand-Verfahren: Ein Exemplar wird erst gedruckt, wenn es bestellt wurde, sodass keine Auflage vorfinanziert werden muss.
Vorteile: Du entscheidest über alles, das Buch kann erscheinen, sobald es fertig ist, und du behältst deine Rechte. Je nach Plattform und Vertrag kannst du an jedem verkauften Exemplar mehr verdienen als bei einem Verlag. Nachteile: Alle Kosten für Lektorat, Korrektorat und Cover trägst du selbst. Ohne Marketing findet ein Buch kaum Leserinnen und Leser, und in Buchhandlungen liegen selbst veröffentlichte Bücher seltener aus.
Wie Selfpublishing Schritt für Schritt funktioniert, mit ISBN, Formaten und Cover, steht auf der Seite Selfpublishing – das eigene Buch veröffentlichen.
Mischformen und Warnsignale
Zwischen Verlag und Selfpublishing gibt es Angebote, bei denen du Geld zahlst und dafür Leistungen bekommst. Das ist nicht automatisch unseriös. Ein Dienstleister, der dir gegen Rechnung ein Lektorat, ein Cover oder den Buchsatz liefert, macht ein transparentes Geschäft: Du weißt, was du kaufst, und die Rechte bleiben bei dir. Auch manche Selfpublishing-Anbieter verbinden kostenlose Grundleistungen mit kostenpflichtigen Zusatzpaketen.
Problematisch wird es, wenn ein Angebot wie ein Verlagsvertrag auftritt, aber die Kosten bei dir liegen. Solche Anbieter werden oft Druckkostenzuschussverlage oder Selbstzahlerverlage genannt. Das Grundprinzip eines Verlags ist, dass er in ein Buch investiert und das Risiko trägt, weil er damit Geld verdienen will. Verdient ein Anbieter hauptsächlich an den Zahlungen der Autorinnen und Autoren, fehlt ihm dieser Anreiz, das Buch auch zu verkaufen.
Warnsignale, bei denen du genau hinsehen solltest:
- Du sollst einen „Zuschuss“, eine „Beteiligung“ oder die Abnahme einer bestimmten Zahl eigener Exemplare bezahlen, damit das Buch erscheint.
- Die Zusage kommt sehr schnell und sehr begeistert, ohne erkennbare Arbeit am Text.
- Der Anbieter wirbt mit Anzeigen um Manuskripte („Verlag sucht Autoren“).
- Der Vertrag soll dir umfassende Rechte für lange Zeit nehmen, obwohl du die Kosten trägst.
- Es ist unklar, wie das Buch in den Handel kommt und welches Marketing konkret stattfindet.
Wenn du unsicher bist, lies den Vertrag in Ruhe, frage nach Beispieltiteln und prüfe, ob diese im Buchhandel zu finden sind. Autorenverbände bieten ihren Mitgliedern oft eine Vertragsberatung an.
Welcher Weg passt zu deinem Buch? Sechs Fragen
- Was ist dir wichtiger, Kontrolle oder Unterstützung? Wer jede Entscheidung selbst treffen will, ist im Selfpublishing besser aufgehoben. Wer Lektorat, Gestaltung und Vertrieb in erfahrene Hände geben will, sucht einen Verlag.
- Wie viel Zeit hast du? Die Suche nach Agentur oder Verlag dauert oft viele Monate, das Erscheinen nach Vertragsabschluss noch einmal länger. Selfpublishing kann deutlich schneller gehen.
- Was kannst du investieren? Ein professionelles Lektorat, Korrektorat und Cover kosten im Selfpublishing Geld. Beim Verlag kosten sie dich nichts.
- Welches Genre schreibst du? In manchen Genres, etwa in Teilen der Unterhaltungsliteratur, ist Selfpublishing verbreitet und E-Book-Leserinnen und -Leser sind daran gewöhnt. In anderen Bereichen spielen Buchhandlung, Feuilleton und Literaturpreise eine größere Rolle; dort ist ein Verlag oft der naheliegendere Weg.
- Willst du Marketing machen? Im Selfpublishing hängt der Erfolg stark davon ab, ob du Leserinnen und Leser erreichst. Auch Verlage erwarten zunehmend, dass Autorinnen und Autoren mitwirken, aber die Hauptlast liegt beim Verlag.
- Wie sieht dein Plan für die nächsten Bücher aus? Eine Reihe, die schnell hintereinander erscheinen soll, lässt sich im Selfpublishing leichter steuern. Wer eine langfristige Zusammenarbeit mit einem Lektorat sucht, findet sie eher in einem Verlag.
Die Wege schließen sich nicht aus. Manche Autorinnen und Autoren veröffentlichen einen Titel selbst und einen anderen im Verlag, oder sie wechseln im Lauf der Zeit. Du kannst es auch zuerst bei Agenturen und Verlagen versuchen und dich danach für das Selfpublishing entscheiden. Umgekehrt ist es schwieriger: Ein bereits selbst veröffentlichtes Buch ist für viele Verlage weniger interessant, solange es sich nicht nachweislich gut verkauft hat.
Ein Beispiel: zwei Veröffentlichungswege für Rikas Geschichte
Das Beispiel ist ein erfundener Spannungsroman mit dem Arbeitstitel „Die letzte Fähre“: Die Fährfrau Rika entdeckt, dass ihr Jugendfreund Hauke sie für Drogenlieferungen benutzt. Als sie aussteigen will, bedroht er sie; sie entwickelt eine Falle mit vorgetäuschtem Motorschaden und anonymem Tipp. Angenommen, diese Geschichte liegt als fertig überarbeiteter Einzelroman vor: Welche Aufgaben ergeben sich bei der Veröffentlichung?
Agentur oder Verlag: Die schreibende Person sucht passende Programme und Einsendehinweise. Das Exposé nennt Drogenentdeckung, Haukes aggressive Drohung, Rikas Angst und den anonymen Tipp samt Auflösung. Die Leseprobe muss zeigen, wie aus dem vertrauten Jugendfreund ein bedrohlicher Gegenspieler wird.
Selfpublishing: Die Planung umfasst Textüberarbeitung, Cover, Beschreibung und Ausgabedateien. Cover und Klappentext sollten einen Spannungsroman versprechen, keinen behaglichen Inselroman oder eine polizeiliche Ermittlung mit Rika als Beamtin.
Der Veröffentlichungsweg verändert die Aufgaben rund um den Text, nicht automatisch die Handlung. Aus einer einzelnen Geschichte muss keine Reihe werden, nur weil das in einer Vermarktungsstrategie vorteilhaft erscheinen könnte.
Typische Fehler
- Zu früh veröffentlichen. Ein Manuskript direkt nach dem ersten Entwurf einzureichen oder hochzuladen ist der häufigste Fehler. Erst überarbeiten, dann veröffentlichen.
- Wahllos einreichen. Ein Fantasy-Roman an einen Verlag ohne Fantasy im Programm kostet beide Seiten Zeit.
- Bezahlen, um verlegt zu werden. Wer für einen „Verlagsvertrag“ zahlt, sollte genau prüfen, wofür.
- Selfpublishing ohne Lektorat und Korrektorat. Fehler und Schwächen im Text fallen Leserinnen und Lesern sofort auf und finden sich dann in den Rezensionen.
- Verträge nicht lesen. Rechte, Laufzeit, Kündigung und Honorar sollten klar sein, bevor du unterschreibst.
Praxistipps
- Entscheide dich nicht unter Zeitdruck. Ein fertiges Manuskript kann ein paar Wochen warten, während du die Wege vergleichst.
- Lies die Impressen von Büchern, die deinem ähnlich sind. Dort steht, in welchem Verlag sie erschienen sind, oder dass sie selbst veröffentlicht wurden.
- Wenn du in Deutschland ein Buch veröffentlichst, auch im Selbstverlag, gilt in der Regel eine Ablieferungspflicht an die Deutsche Nationalbibliothek. Bei Verlagen erledigt das der Verlag.
- Lass dich von Absagen nicht entmutigen. Sie sagen oft mehr über das Programm und die Auslastung des Empfängers als über die Qualität deines Textes.
Mit Faustica umsetzen
Für jeden Weg brauchst du am Ende eine saubere Datei. Mit dem Export gibst du das ganze Manuskript oder einzelne Kapitel als Word-Datei, PDF, E-Book (EPUB) oder Markdown aus. Es gibt Vorlagen für Taschenbuch, Normseite und E-Book; Seitenformat, Ränder, Schrift, Zeilenabstand, Titelseite, Inhaltsverzeichnis und Seitenzahlen kannst du selbst festlegen. So entstehen aus demselben Text die Leseprobe für die Agentur und, wenn du selbst veröffentlichst, die Grundlage für E-Book und Druckausgabe.

Den Umfang deines Manuskripts in Wörtern und Zeichen zeigt die Statistik. Für die Zusammenarbeit mit einem Lektorat exportierst du einzelne Kapitel als Word-Datei mit Kommentaren und Änderungsverfolgung und holst die Änderungen anschließend zurück.
Häufige Fragen
Was kostet es, ein Buch zu veröffentlichen?
Bei einem regulären Verlag nichts: Der Verlag bezahlt Lektorat, Herstellung und Vertrieb und zahlt dir ein Honorar. Im Selfpublishing hängen die Kosten davon ab, welche Leistungen du einkaufst, vor allem Lektorat, Korrektorat, Cover und gegebenenfalls ISBNs. Das Hochladen bei vielen Plattformen selbst ist oft kostenlos; die Konditionen stehen auf deren Hilfeseiten.
Brauche ich eine Literaturagentur, um bei einem Verlag zu veröffentlichen?
Nicht zwingend. Viele kleinere Verlage nehmen Manuskripte direkt an. Manche große Publikumsverlage arbeiten dagegen vor allem mit Agenturen zusammen. Was gilt, steht in den Einsendehinweisen auf der Website des Verlags.
Kann ich ein Buch gleichzeitig mehreren Verlagen anbieten?
In vielen Fällen ja, wenn die Einsendehinweise nichts anderes sagen. Manche Agenturen und Verlage bitten ausdrücklich darum, Bescheid zu geben, wenn andere ebenfalls angefragt wurden oder ein Angebot vorliegt. Halte fest, wem du wann geschrieben hast.
Kann ich ein selbst veröffentlichtes Buch später an einen Verlag geben?
Grundsätzlich ja, wenn du die Rechte noch hast. Für Verlage ist ein bereits veröffentlichtes Buch aber meist nur interessant, wenn es sich nachweislich gut verkauft hat. Prüfe außerdem die Bedingungen deiner Selfpublishing-Plattform, etwa zur Kündigung und Exklusivität.